Die Befreiung und Einnahme von Siegburg

Zusammengestellt und Übersetzungen

von Ulrich Hofmann, Siegburg

Version 1.03

 

Vorbemerkung

Diese Seite wurde in 2005 anlässlich des 60 Jahre vergangenen Kriegsendes auf meiner Homepage ushabti.de erstellt. Sie handelt von den letzten wenigen Tagen und Stunden des zweiten Weltkriegs für die Stadt Siegburg und Umgebung.

In 2016 habe ich weitere Quellen sichten können und daraufhin die Seite etwas abgeändert. Im gleichen Jahr erschien eine Druckpublikation, in der weite Teile unserer Darstellung, Deutungen und Interpretation und Quellenangaben von dieser Seite kopiert wurden. Daher stellen wir diese Vorbemerkung voran, verbunden  mit der Bitte um Einhaltung der Konventionen bei Nennung primärer als auch sekundärer Quelleverweise und bei der Verwertung der hier vorgestellten Interpretationen und Inhalte. Diese jetzt vorliegende neue Version stammt vom Juni 2018. Die „alten“ Version sind alle noch nachweisfähig vorhanden, aber nicht mehr auf unserer Home-Page direkt verlinkt.

 

Die für die Bevölkerung seit den Dezembertagen des Jahres 1944 so schweren Zeiten repräsentiert das nachstehende Bild auf berührende Weise.

Quelle: Troy A. Peters, US Army - https://dams.defenseimagery.mil/defenselink/download.action?id=4d2eae8b01f75333e8d0dd3c255093952d8be53d

German woman carrying a few possessions runs from burning building in Siegburg, Germany. April 13, 1945.

 

                                                                                           

Einleitung

So begann die erste Version unserer Seite aus 2005:

Am 17. März 2005 ging ich morgens zu meinem Zeitschriftenhändler. [Ergänzung 2018: Das Geschäft lag damals in unmittelbarer Nähe der heutigen Mundorf Tankstelle am Westrand Kaldauens. Das Geschäftsgebäude wurde mittlerweile durch ein neues Mehrparteienwohnhaus überbaut und nebenan entsteht nunmehr bald das neue Feuerwehrgerätehaus.]

Es entwickelte sich eines unserer Ladengespräche am Sonntagmorgen und dabei kam er auf einige Erlebnisse aus seiner Kindheit und der Zeit vom Ende des zweiten Weltkrieges in Siegburg zu sprechen. Sie sind so interessant, dass wir sie mit seiner Genehmigung hier gerne vorstellen. Daneben haben wir einige weitere Ereignisse und Quellen aus dieser Zeit zusammengefügt:

 

Bilder aus der Innenstadt von 8-10 April auf den Seiten des Stadtarchivs von Siegburg:

http://www.stadtarchiv-siegburg.de/web/stadtarchiv/11564/

 

Die Erzählungen unseres Zeitzeugen

Aufgenommen in 2005.

Von den Kaldauer Höhen (Lendersberg) sind die HJ Segelflieger zum Üben gestartet und sind dann unten in den Siegauen gelandet (siehe auch: 65er Nachrichten Frühjahr 2001 p.61ff) .

1944: Ich war zu jung um zu den Pimpfen zu kommen und mit zu fliegen. Im Kaldauer Wald haben wir Soldaten und Krieg gespielt. Dafür haben wir dann später im richtigen Krieg den Hintern voll bekommen. Wir lagerten auf dem Marktplatz und Tiefflieger haben draufgehalten. Gegen die Tiefflieger hat keiner was machen können.

 

Auf einer am Michaelsberg auf der Wolsdorfer Seite nach der Einnahme durch die Amis herrenlos herumstehenden Vierlingsflak haben wir Karussellfahren gespielt. Das Geschütz stand in einem Quadrat von vier großen Bäumen.

 

Das Haus meiner Eltern stand direkt an der Kirche neben dem Marktplatz, die Häuser von Küster, Kaplanei, und Pastorat direkt daneben. An einem Tag (wahrschl 28. Dezember 1944) wurden bei einem Angriff fast alle Häuser an der Mühlenstraße bis auf den Grund zerstört. Nur das Haus des Pastors, des Küsters und unser Haus blieben unversehrt. Vater öffnete den Kellerzugang, und eine große Staub und Schuttwolke hing in der Luft, die sich auf uns zu wälzte. Da schloss er die Luke schnell wieder.

 

Ein Nachbar hatte sich hinter seinem Haus einen eigenen Schutzraum in den Fels geschlagen. Bei einem Angriff erhielt dieser Bunker einen Volltreffer, das Haus blieb unbeschädigt. Alle sind dabei umgekommen. So spielt das Schicksal.

 

In den Michaelsberg waren drei Stollen eingetrieben worden, die als Luftschutzbunker dienten (vgl. 65er Nachrichten Herbst 2000 p.43). Das System war aber noch nicht fertiggestellt. Ein Eingang Bergstrasse, wo heute ein freier Platz ist, befindet sich ein Eingang. Also dort, wo früher das Bergcafe war. Ein weiterer auf der Wolsdorfer Seite.

 

In diese Stollen haben die Amerikaner nach den Kämpfen die aufgefundene deutsche Munition und Waffen verbracht und dann die Eingänge gesprengt. Ob das noch immer drin ist, weiß ich nicht. Wir haben mit ein paar umherliegenden Patronen gespielt. Die Patronenspitzen abgebrochen, das Treibmittel mit einer Zündschnur und andere Patronen auf ein Häufchen geschüttet und angezündet und uns hinter den Bäume in Sicherheit gebracht. Obwohl es zu Explosionen kam, flogen die Kugeln nicht weit.

 

Meine Mutter ist kurz vor Kriegsende im Bonner KH verstorben. Drei Tage vor ihrem Tode wurde ein alliierter Angriff auf das KH geflogen und dem Erdboden gleichgemacht. Danach kümmerte sich meine Tante um mich.

 

In Siegburg waren auch viele Zwangsarbeiter (Ukrainer, und Polen) im Strafgefängnis in der Luisensstrasse . Das waren ganz arme Leute. Die bekamen nur wenig oder gar nichts zu essen. Und wer von ihnen etwas stahl wurde auf dem Marktplatz am Galgen aufgeknüpft. Dabei mussten alle zur Hinrichtung antreten. Ihnen etwas zu essen zuzustecken war strengstens verboten (Siehe aber auch: 65er Nachrichten Frühjahr 2005 p.2005).

 

Meine Tante hat einmal zwei Polinnen im Keller erwischt, die zwei Gläser Eingemachtes geöffnet hatten und mit bloßen Händen daraus aßen. Als sie nun runterkam, sind die vor Schreck auf die Knie gegangen und haben gebettelt, dass Tante sie nicht verrät. Das hätte sie nie getan. Sie hat sie dann hoch an unseren Tisch geführt und wir haben gemeinsam zu Mittag gegessen.

 

Viel hatten wir selber nicht. Verwandte in Neunkirchen haben uns ab und zu was geben können. Und ein Onkel aus der Eifel hat uns des Öfteren Wild geschickt. Bis heute mag ich noch kein Wild mehr essen.

 

Das Gefängnis der Zwangsarbeiter wurde von den Amerikaner nach der Eroberung Siegburgs geöffnet und die Insassen sind dann durch die Stadt und haben sich genommen, was sie brauchten. Dabei wurde auch viel zerschlagen. Unser Haus haben sie dabei verschont. Weil die Haustüre durch eine Brandbombe stark beschädigt war und wir selber bei den Verwandten in Neunkirchen waren, hat sie der Küster notdürftig repariert.

 

Auf den Hof dieser Verwandten in Neunkirchen kam dann irgendwann ein Panzer und schwenkte seinen Turm mit dem Geschützrohr auf das Haus, in dem wir alle versammelt waren. Der Onkel hat schnell ein Betttuch rausgehängt und so wurde eine eventuelle Beschießung im letzten Moment verhindert. Von der Panzerbesatzung erhielten wir Kinder etwas ganz Unbekanntes und Leckeres. Heute sagt man „Liebesperlen“ dazu.

 

Als die Amerikaner kamen, haben sie im Keller der Weinhändler die ganzen Fässer mit MP Salven durchschossen. Vielleicht glaubten sie, dass sich darin jemand versteckt hält. Der ganze Wein ist ausgeflossen und stand hüfthoch im Keller. Vater war damals unterwegs und blieb sehr lange fort. Als er zurückkam haben wir einen gehörigen Schrecken bekommen. Sein Hosen waren nass und tiefrot gefärbt und wir dachten Wunders, was mit ihm passiert war. Rechts und links führte er aber zwei Eimer mit sich, deren Inhalt sich dann als Rotwein entpuppte.

 

Ein kurzer Abriss der Vorgänge März/April 1945

 

Truppenteile der Amerikaner haben das linksrheinische Ufer, Köln und Bonn besetzt, sind durch die misslungene Sprengung der Brücke von Remagen in der Lage, das Rechtsrheinische und das heftig verteidigte Siebengebirge zu nehmen. Eine fast komische Randnotiz der Geschichte: Das kleine Ägidienberg wurde damals von deutscher Seite sogar zur „Festung“ erklärt! Viele deutsche Soldaten werden von den eigenen Feldjägern aufgegriffen und viele von ihnen, gleich ob versprengten Truppenteilen angehörig oder wirklich „desertiert, Standgerichten zugeführt.

 

Danach beginnen die im Anschluss unten beschriebenen Ereignisse.  Die 78. Infanteriedivision, die zunächst das Südufer der Sieg besetzt, wird von der 97ten abgelöst. Ab dem 7.-8. April beginnen die Geschehnisse um die Befreiung der Stadt zwischen den Schwerpunkten Allner und am Strandbad bei Wolsdorf.

Nach der Einnahme Siegburgs wird am 12. April Drabenderhöhe genommen. In Rösrath wird heftige Gegenwehr durch 8.8 Flak und Resten der 3. Fallschirmjäger geleistet, die sich danach Richtung Köln-Vingst absetzen. Ein Verband der 13te Panzerdivision zieht nordöstlich an Troisdorf vorbei und ein weiterer fährt über Lohmar und dringt auf die Höhen nach Breidt in der Nähe von Siegburg-Heide vor. Bei Much gibt es schicksalhafte Ereignisse.

Der Aufbau beginnt: Amerikanische Pioniere und mit ihnen William Bahlke treffen ein und reparieren die Brücken an der Sieg. (s.u. William Bahlke's Erinnerungen sind heute noch im Web abrufbar ).

 

Vom Süden wie von Norden her wird der Kreis im Ruhrkessel immer enger gezogen. Die Kapitulationsverhandlungen der eingeschlossenen Heeresgruppe B erfolgte dann wenig später schon am 16. April, die letzten Kampfhandlungen endeten am 19. April.

 

 

Die Übergänge bei Deichhaus und Allner sowie Weldergoven

Die 97.  amerikanische Infanteriedivision war an der Einnahme von Siegburg mit den Regimentern 303 direkt bei Siegburg-Wolsdorf und die 387 beim Übergang bei Hennef-Allner beteiligt. Östlich der 387ten war die 386te involviert. Die 387 ging dann mit einigen Truppenteilen weiter nach Nordwesten gen Siegburg über Kaldauen und Stallberg vor und vereinigte sich mit dem 303 Regiment. Andere Einheiten gingen über Happerschoß in Richtung Halberg und Lohmar vor. Umgekehrt ging ein Gruppe des 303ten Regiments von Wolsdorf aus in Richtung Kaldauen und bis in den Ort vor.

 

Im Folgenden sind die beiden Vorstöße über die Sieg anhand von Quellen beschrieben. Soweit das amerikanische Original und nicht nur unsere Übersetzung angegeben ist, wurde es blau gesetzt.

 

Die nachfolgende Tabelle gibt die Ereignisse um die Truppenteile an, auf der Karte sind die ungefähren Routen vermerkt.

 

Einheit

Datum

Zeit

Standort

Ereignis

387

04. Apr

08:00

Dormagen-Neuss

Aufbruch motorisiert

387

04. Apr

17:30

Rott

Ankunft und Verteilung nach N

303

05. Apr

 

Südufer Sieg vor Siegburg

Gegnerisches Mörserfeuer und erfolgreiche Gegenmassnahme

387

05. Apr

05:45

Südufer Sieg

Ablösung des 309. Reg der 78 Division am Südufer der Sieg zwischen A3 im Westen und Hennef im Osten. Abgeschlossen 05:45h

387 1.Bat

05. Apr

 

Südufer Sieg Weldergoven bis Hennef West

Position Stellung

387 3. Bat

05. Apr

 

Südufer Sieg Hennef West bis A3

Position Stellung

387 2. Bat

05. Apr

 

Auf den Anhöhen südlich der Hennefer Ebene

Auf den Pleiser Bergen, um auf der einsehbaren Ebene zwischen Hennef und A3 nicht durch feindliches Feuer gefährdet zu sein

387 2. Bat Comp. F

05. Apr

 

Söven

Reserve des 2. Batt

387 3. Bat Comp I

05. Apr

 

Oberhalb Hennef

Reserve des 3. Batt

387

05. Apr

 

Rott

Rott ist Regiments Kommandostand

387 Schwere Artillerie

05. Apr

 

Dambroich

Position Stellung

387

06. Apr

 

 

Erhalt Befehl Übergang Sieg für den 8. April

387 und 386

06. Apr

 

Weldergoven

Zusammenschluß der beiden Regimentsflanken, 386te im Osten

386

07. Apr

 

Weldergoven-Lauthausen

Übergang über die Sieg

922. Field Artillery

07. Apr

 

Weldergoven

Position Stellungsausbau

387. H Company

07. Apr

 

Weldergoven

Position in Bereitschaft

387. 3 Bat Schwere Geschütze

07. Apr

 

Hennef

Feuer auf Allner

322 Pioniere

07. Apr

 

Weldergoven

Lagerung der Pontonbrücken und Material

922 und Artillerie der 387.

08. Apr

13:00

Hennef und Weldergoven

Einstündiger Beschuss des Nordufers bei Allner

387 1. Bat Comp. A und Comp B

08. Apr

14:00

Allner

Übergang an 2 Stellen mit Booten

 

08. Apr

14:00

Schloss Allner und Waldgebiet 200 m westl. an Flußbiegung

Feindl. MG Feuer und Mörser. An dieser Flussbiegung eine Stellung, die mit Baumstämmen befestigt ist.

387 1. Bat

08. Apr

16:15

Nordufer Allner

Nordufer Positionen gefestigt

322 Pioniere

08. Apr

16:15

Allner

Installation einer Pontonbrücke für Fahrzeuge

387 1. Bat

08. Apr

16:30

Allner

Frank Zalusky fährt mit seinem Telefonkabel Jeep am Nordufer auf eine Mine

387 1. Bat Comp A und B

08. Apr

17:00

Allner

Sicherung des Brückenkopfes

387 1. Bat Comp A und B

08. Apr

21:30

Allner

Einnahme der geplanten Positionen Bödingen und Altenbödingen. Zusammenschuß mit dem 386. Reg

387 Bat 2 3 1

08. Apr

 

Allner

Von links nach rechts nebeneinander 2, 3, 1 aufgereiht, gehen die Battalione nach Nordwest auf die Höhen vor.

Alle

08. Apr

 

Allner

Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund ausgefallener Funkgeräte und unterbrochener bzw. nicht gelegter Telefonkabel

322 Pioniere

08. Apr

23:00

Allner

Bau einer Fussgängerbrücke östlich Weldergoven

Artillerie vor Siegburg

08. Apr

 

Siegburg 

Beschuss der Stadt von der Südseite der Sieg

387. 2 Bat Comp E F G

09. Apr

05:55

Allner

Übergang der Kompanie auf die Nordseite der Sieg über die neue Brücke

303. Regiment 

09. Apr

06:00

Siegburg Deichhaus

Übergang auf die Nordseite der Sieg. Beginn des Häuserkampfes durch die Strassen Siegburgs

387. 3 Bat 

09. Apr

06:00

Allner

Übergang auf Nordseite der Sieg

387. 2 Bat  G Comp

09. Apr

 

Allner

nimmt Schloss Allner ein. Unterstützendes Artilleriefeuer von der Südseite

387. 2 Bat

09. Apr

 

Allner

Einnahme der hochgelegenen Positionen über Steilhänge. Schwere Kämpfe

Else Kolf

09. Apr

 

Happerschoss

Signalisiert den anrückenden Truppen mit einem weissen Bettuch die Übergabe des Dorfes

387. 1 Bat

09. Apr

 

Allner

Schliesst die Linien mit der 386 im Osten

Regimentskommandeur 387.

09. Apr

 

Happerschoss

Trifft dort zusammen mit Comp F H und L

387. 2 Bat Comp F

09. Apr

 

Allner Seligenthal

Trifft beim Vorrücken auf heftigen Widerstand

387. 3 Bat Comp H und L

09. Apr

 

Allner

Sind noch auf der Südseite zur Absicherung

387. 2 und 3 Bat

09. Apr

 

B56. Strasse Siegburg - Schreck Braschoss

Vormarsch nach Siegburg ohne Widerstand. Übernachtung bei Braschoss

322 Pioniere

09. Apr

22:00

Allner

Reparatur der gesprengten Brücke für LKW

322 Pioniere

10. Apr

06:00

Allner

Fertigstellung der Brücke für Panzer

387. 2 und 3 Bat / 303.

10. Apr

 

Siegburg Aulgasse / A 3

Zusammentreffen mit dem 303 Regiment, das schon in Siegburg seit dem 8. April kämpft

322 Pioniere

10. Apr

06:00

Allner

Fertigstellung der Brücke für Panzer+F15

13te Panzerdivision

10. Apr

 

Allner

Überschreitet die Sieg bei Allner und fährt nach Siegburg und Richtung Much nordwärts

387. 1 Bat

10. Apr

Abend

 

Einnahme Breidt

387. 2 Bat

10. Apr

23:00

Kaldauen

Unterkunft in Kaldauen. Nach den heftigen Kämpfen  als Reserve

387. 3 Bat

10. Apr

Abend

 

Einnahme Lohmar und Verbleib auf den Höhen und oberhalb Halberg als Reserve

387. 3 Bat

11. Apr

 

Lohmar

Verbleib als Reserve

387. 2 Bat

11. Apr

07:00

Wahlscheid

Vormarsch und Einnahme

13te Panzerdivision

11. Apr

 

Lohmar

Teile der 13ten Armored überschreiten die Agger südlich Lohmar und gehen nach Norden vor

303

12. Apr

 

Fr. Wilh. Hütte

Schwere Kämpfe um die Fabrikanlage

 

 

 

 

 

 

 

 

1 US Army

303rd Inf. 97th Division

Online: (Abruf 09.06.2018) http://www.97thdivision.com/historyp1.html

 

Die Vorgänge aus Erzählungen amerikanischer Zeitzeugen:

 

The first objective of the 303rd Infantry Regiment was clearing enemy units from the city. Siegburg is located near the northern bank of the Sieg River. The artillery began the operation by firing on suspected German positions in the city. Units of the 303rd entered Siegburg on April 9 and initially encountered very light resistance.

Die erste Aufgabe der 303ten war Bekämpfung feindlicher Verbände im Stadtgebiet von Siegburg auf dem nördlichen Siegufer. Die Artillerie der 97ten Division feuerte auf vermutete Positionen feindlicher Stellungen in der Stadt. Teile der 303. gingen am 9. April in Siegburg vor und trafen auf leichten Widerstand

Sniper fire increased as the Americans advanced through parts of the city. Then several units of the elite German 3rd Parachute Regiment and a few determined SS troops opened fire. Using small arms, machine guns, and grenades, soldiers of the 303rd aggressively attacked the enemy troops, street by street, house by house. Despite fierce resistance by the Germans, by nightfall Siegburg was under American control.
Beim weiteren Vordringen verstärkte sich das Feuer feindlicher Scharfschützen. Ein paar Einheiten des deutschen 3. Fallschirmjäger Elite Regiment und SS Truppen eröffneten einen Gegenangriff mit Handfeuerwaffen, Maschinengewehren und Mörsern. Der Häuserkampf dauerte bis zum Abend, dann war Siegburg unter amerikanischer Kontrolle.

http://www.97thdivision.com/viewersubmit/hy1.jpg

Die Marienkapelle „Königin des Friedens“ an der Ringstrasse dient Soldaten des 303ten Infanterie Regiments als Kommunikationsstandort im Häuserkampf gegen die 3. Fallschirmjäger Division. Courtesy of U.S. Army.


The next morning the 303rd continued its drive toward the north. Company G, commanded by Captain Thomas W. Mellen, attacked the Glockner Works, a machine factory complex at Troisdorf, near Siegburg.

Am nächsten Morgen bewegte sich die 303te nach Norden. Company G unter Capt. Thomas W. Mellen attackierte die Maschinenfabrik der Glöckner Werke in Troisdorf.

 

Aus dem Interview mit Albert R. Katoski (Veteran des 303. Regiment der 97 Division. Technician Medical Corps)

http://memory.loc.gov/diglib/vhp/bib/loc.natlib.afc2001001.48953

Sinngemäße Wiedergabe des Video Interview Teil. 3

Von Linz aus sind wir mit Lastwagen im März schnell vorgerückt. Unterbrechungen nur, wenn Minen gesucht und geräumt werden mussten. Leichter Widerstand bei Überwindung der A3.

 

1945 - DEMARTINO, LEWIS P., Cpl., Battery A, 303rd Field Artillery, Bridgeport:

"Working conditions in those European countries are certainly different from ours, especially for women. Over there, the women do all the heavy work even the plowing in

the fields."

Die Arbeitsbedingungen in Europa sind anders als jene bei uns, besonders für die Frauen. Dort übernehmen die Frauen all die schwere Arbeit, sogar das Pflügen der Felder.

Hinweis: Die Beobachtung ist unter den besonderen Bedingungen des Krieges richtig, aber eigentlich nicht so überraschend. Auch in USA übernahmen Frauen schwere Arbeiten – so zum Beispiel auf den Werften beim Bau der Liberty Schiffe und allgemein in der Rüstungsindustrie.

 

REFLECTIONS ON THE 97TH INFANTRY DIVISION

Die Vorgänge aus der Perspektive eines hohen Offiziers

Brigadier General Sherman V Hasbrouck

As Told to J.W. Redding

 

During the first week of April, the Division entered the battle of the Ruhr Pocket. The Division moved south, crossing the Rhine near Bonn to occupy positions along the southern bank of the Sieg River which runs at right angles to the Rhine. Siegburg was just across the river from our positions.

 

Während der ersten Aprilwoche nahm die Division den Kampf um den Ruhrkessel auf. Die Divison zog südwärts, querte den Rhein bei Bonn, um am Südufer der Sieg Positionen zu beziehen. Die Stadt Siegburg lag auf der gegenüberliegenden Seite.

 

Siegburg had a monastery located on a high hill overlooking the city and, of course, our positions. Although it had a Red Cross on it, I am sure the Germans had a OP up there. There was no question in our minds that it was being used as a military installation in spite of the Red Cross. However, we didn’t fire on it because of the Red Cross, even though it put our position under observation.

Siegburg hatte ein Kloster auf einem Hügel, von dem man aus die Stadt und natürlich auch unsere Positionen einsehen konnte. Obwohl es ein Rotes Kreuz auf dem Dach hatte, bin ich mir sicher, dass die Deutschen dort einen Beobachtungspunkt (OP=Observation Point) eingerichtet hatten. Für uns gab es keinen Zweifel, dass das Kloster trotz der Markierung mit dem Roten Kreuz eine militärische Einrichtung barg. Trotzdem feuerten wir nicht auf das Gebäude.

[Anmerkung d.Übers.: In der Sammlung der amerikanischen Zeitzeugenberichte der 97. Division ist an einer Stelle sogar davon die Rede, dass in einem mit Rotem Kreuz markierten Gebäude 8-8 Geschütze hergestellt worden sein sollen. Was freilich Unsinn ist. Eine Verwechslung mit den Glöckner Werken in Troisdorf oder Elektro Fischer in Lohmar könnte möglich sein, wäre allerdings in der Kernaussage auch nicht korrekt.]

 

As I recall, we were part of a three division corps, the 97th, 78th and the 13th Armored Divisions.  …  The 13th Armored was behind us.

Nach meiner Erinnerung waren wir Teil von drei Divisionen, der 97ten und 78 Infanteriedivision und der 13ten Armored Division. … Die 13te war hinter uns [auf den Pleiser Bergen zu diesem Zeitpunkt. D. Übers.].

 

After three of four days, in a defensive position, we received orders to secure a bridgehead for the 13th Armored to cross the Sieg River.

Nach drei  Tagen in Wartestellung erhielten wir Befehl, einen Brückenkopf zu erringen und zu sichern, um der 13. AD den Vormarsch zu ermöglichen.

 

The crossing of the Sieg was made against medium resistance. However, the clearing of Siegburg, fighting street-to-street and the buttoning up of the Troisdorf Kloeckner-Mannstedt Works near Siegburg, was one of the toughest battles we had in closing the Ruhr Pocket. The infantry lost a lot of people at Troisdorf.

Der Übergang traf auf mittleren Widerstand. The Säuberung Siegburgs im Straßenkampf und die Einnahme der Troisdofer Glöckner Werke war eine der härtesten Prüfungen im Kampf um den Ruhrkessel. Die Infanterie verlor viele Kameraden in Troisdorf.

 

At this time, the Sieg River was not particularly wide but it had precipitous banks and it was quite swift and usually deep – four to five feet sometimes. I had gone up the autobahn but the bridge across the Sieg had been blown and a dozen or so of our trucks had been shot up there. The engineers were trying to make a crossing.

Zu diesem Zeitpunkt war die Sieg nicht sonderlich breit, aber sie hat steile Uferböschungen, schnell fließend und tief, an manchen Stellen vier bis fünf Fuß tief. Ich ging zur Autobahn, aber die Brücke [beim Hotel Siegblick. D. Übers.] war gesprengt und ungefähr zwölf unserer LKW waren dort zerstört zurückgelassen worden. Die Pioniere versuchten einen Übergang herzustellen. (William Bahlke war bei diesen Pionieren).

 

As the artillery preparation fires were over and the Germans were on the other bank firing at us. I saw we couldn’t make a crossing there. So Niles Chubb, my Aide, and I went up the river five miles or so to a little town of Hennef. The bridge there had been blown but the ends were still on the abutments. The center was down in the water but the infantry could cross and had crossed – a great many of them.

Als das vorbereitenden Artilleriefeuer zu Ende war und die Deutschen am Ufer auf uns schossen, wusste ich, dass wir hier nicht übersetzen konnten. So ging ich mit Niles Chubb, meinem Adjutanten, ca. 9 Meilen flussaufwärts nach Hennef. Die Brücke hier war zwar auch gesprengt, die Fahrbahn hing aber auf beiden Seiten noch an den Stützen und die Mitte lag im Wasser. Hier konnte die Infanterie leicht den Fluss queren und das hatten sie auch schon in großer Zahl.

 

I sent for the Division Engineer and told him to get that bridge in so we could get the guns across. He got out his engineer manual trying to figure out what he needed. So I said “Son, look over there, what do you see?” He said “it looks like a lumber yard.” I said, “Does that suggest anything to you?” He replied “That’s all private property.” “Well,” I said, “Send the bill to Hitler and get this bridge in.” And so he did and we got across the river.

Ich rief den Chefingenieur der Division zu mir und sagte ihm, er solle die Brücke so weit reparieren, dass wir Artillerie rüberbringen konnten. Er nahm sein Handbuch und versuchte herauszufinden, was dazu von Nöten war. Also sagte ich: „Wenn Du  rübersiehst, was siehst Du?“. Er sagte, „Sieht aus wie ein Holzlager“ – “Was fällt Dir dazu ein ?” – „Das ist alles Privatbesitz“ – „Na gut, dann schick die Quittung an Hitler und reparier mir die Brücke damit.“

 

There was a castle across the river. It was much like a great manor house, not a fighting castle. It had two beautiful towers at the ends and there was a terrace in front of it where Germans had been firing on us to keep us from working on the bridge. I called for fire from one of the battalions. The second volley bracketed one of the towers and the tower collapsed – the crystal .chandeliers waving back and forth from the blast – plaster falling down. The two volleys killed about 20 Germans.

Jenseits des Flusses lag ein Schloss. Eher ein Wohnhaus als eine Burg. Es hatte zwei hübsche Türme an den Seiten eine Terrasse, von der aus die Deutschen unsere Arbeiten an der Brücke beschossen. Ich orderte den Beschuss des Gebäudes und einer der Türme brach teilweise zusammen, so dass man sehen konnte, wie die Kronleuchter hin und her schaukelten. Putz fiel herab und 20 Deutsche fanden dabei den Tod.

 

My Aide and I crossed over to the building. The occupants were a Doctor and his wife. They had gone into the cellar during the shelling. When they came out after the shelling, they said they didn’t blame us for firing as they knew we  had to. The lady told me the castle had been in her family for 500 years. As it had no military value whatever, they had pleaded with the German troops to leave. The place could not be defended and they were just going to die. But they insisted in staying there until we started firing. When Chubb and I arrived the Germans  already had some people burying the dead. One was a young man in a fatigue uniform. I asked him why he wasn’t on active duty. He raised his jacket and you could see the scars from machine-gun bullets.

Mein Adjutant und ich gingen zu dem Gebäude und die Besitzer waren ein Arzt und seine Frau. Während des Beschuss waren sie im Keller geblieben. Sie machten uns für den Beschuss keine Vorwürfe. Die Dame des Hauses sagte, dass das Gebäude seit 500 Jahren in Familienbesitz gewesen war. Da es keine militärischen Nutzen versprach, hatten sie die eigenen Truppen gebeten, es zu verlassen. Der Platz war nicht zu verteidigen und sie würden sterben. Aber sie bestanden darauf zu bleiben, bis wir das Feuer eröffneten. Als Chubb und ich ankamen, hatten Leute schon mit den Bestattungen der Gefallenen begonnen. Ich fragte einen jungen Mann in abgetragener Uniform, warum er nicht gekämpft hatte. Er lüftete die Jacke und zeigte uns die Narben einer Maschinenpistolen Salve.

 

An interesting thing was this doctor said he had treated Franklin D Roosevelt when he was at Marienbad, which the 303d FA Bn occupied sometime later. (A small world)

Der Doktor erzählte mir, dass er Roosevelt in Marienbad behandelt hatte. Was für eine kleine Welt.

 

I returned to Siegburg and went up on the hill where the monastery with the Red Cross was located, to see how the crossing was progressing there.

Ich ging nach Siegburg zurück und wir gingen auf den Klosterberg mit der Roten Kreuz Markierung und wollten den Fortgang der Überquerung in Augenschein nehmen.

I looked back and I could see the 13th Armored all over the country on the other side of the river. The men were out of their vehicles – vehicles blocking the road – the men smoking. I said “Oh My God!! Oh My God!!” If the Germans got one plane in the air they could ruin that whole Division.

Ich sah zurück und konnte die 13te Armored Division mit all ihren Fahrzeugen auf der anderen Seite der Sieg sehen Die Straßen waren blockiert und die GIS standen rum und rauchten. „Mann O Mann“ sagte ich zu mir. Wenn die Deutschen auch nur ein Flugzeug in die Luft bekämen wäre es um die gesamte Division geschehen gewesen.

 

As we moved up, I could see why there had been no attack by German aircraft. Just across the river, there was a great open field. It must have had about 100 German aircraft, all blasted down the middle. Apparently they had no gasoline so they had put explosives in the cockpits and blown them up.

Als wir weiter hoch [auf den Klosterberg ?] gingen verstand ich, warum es keinen Luftangriff gegeben hatte. Ungefähr hundert deutsche Flugzeuge standen direkt jenseits des Flusses auf einem freien Feld und alle waren in der Mitte auseinander gebrochen. Wahrscheinlich war kein Treibstoff mehr verfügbar und sie haben alle Maschinen mit einer Sprengladung unbrauchbar gemacht.

[Anmerkung d. Übers.: Die Beobachtungen können sich eigentlich nur den Flugplatz Hangelar beziehen, der schon seit Wochen in amerikanischer Hand war. Luftlinie Kloster ca. 3,5 km].

Zitate aus dem Luftfahrtarchiv Köln in http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/1940_start.htm (Abgerufen: 09. Juli 2018:

Juli 1943: Major Hajo Herrmann stellt ein Geschwader der einsitzigen „Wilde-Sau“ -Nachtjäger auf und stationiert eine Gruppe auf dem gut getarnten Flugplatz Bonn. Das fliegende Personal wird im Kurhaus in Hennef/Sieg einquartiert, die Offiziere des Stabes im Schloss Allner.

23.12.1944: Die Flugplätze Köln-Ostheim und Hangelar werden von alliierten Luftstreitkräften angegriffen.

24.12.1944: Die Royal Airforce (RAF) greift mit 100 Flugzeugen den Flugplatz Bonn-Hangelar an. Die Bevölkerung von Hangelar und St. Augustin erleben den ersten schweren Angriff.

08.03.1945: Die III./NJG 11 räumt den Flugplatz Hangelar. Alle nichtflugfähigen Maschinen werden gesprengt.

21.03.1945: Nachdem amerikanische Truppen die Brücke von Remagen überquert haben wird der Flugplatz Bonn-Hangelar eingenommen.

Foto der zerstörten deutschen Kampfflugzeuge in: Flugplatz Hangelar”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-58177-20121210-2 (Abgerufen: 16. Juni 2018).

Siehe auch: Küper, Hartmut / Stadt Sankt Augustin (Hrsg.) (2005)

Der Flugplatz Bonn-Hangelar in den letzten Kriegsmonaten. (Beiträge zur Stadtgeschichte Band 43.) S. 42-66. Siegburg.

 

 

William J Blacker, 303rd infantry Regiment, Company A

Aus: https://cslib.contentdm.oclc.org/digital/collection/p128501coll19/id/65/

Die Verschreibungen der Ortsnamen im Original sind in der Übersetzung korrigiert

 

Entsatz für die 78te

April 4 Umlegung nach Hangelar als Reserve.

April 6 Umlegung an die Dorfgrenze von Niederpleis am Fluss Sieg in eine defensive Position. Die 97te löst jetzt die 78te ab.

April 8 Beschuss Siegburgs. Tag und Nacht. Kein feindliches Feuer. Die berühmte Hitler Autobahn (A3) an unserer rechten Flanke.

April 9 Befehl zum Sieg Übergang um 6:00 h. Ein ungutes Gefühl, sollten wir doch das erste Mal in feindliches Feuer kommen. Es wurden viele Gebete gesprochen.

Wir querten den Fluss als die erste Kompanie für den Angriffswelle unter feindlichem Beschuss von 8-8 [lautmalerisch ins Amerikanische als: "ack-ack" für "Acht-Acht"] und Maschinengewehrfeuer. Wir wurden durch Maschinengewehrfeuer niedergehalten. Hier hatten wir die ersten Verwundeten und Opfer. [Nennung der Betroffenen beim Namen].

Trotz Mörserbeschuss setzten wir den Angriff in die Stadt hinein fort. Wir setzten einen sicheren Unterschlupf am Abend in einem Haus für die Nacht her.

Die ganze Nacht schossen die 8-8 weiter. Das zweite Battalion überschritt den Fluss hinter uns und hatte schwere Verluste im Stadtzentrum.

 

Einstellung des Angriffs

10 April Um 18:30 wurde der Angriff abgeschlossen und der Feind zog sich zur nächsten Stadt zurück. Der Auftrag war um 20:00 h erfüllt.

Eine Ponton Brücke wurde errichtet und die 13te Armored Division setzte über. Wir schliefen die ganze Nacht im Graben, da die 8-8 immer noch auf Siegburg schossen.

73 Gefangene wurden gemacht.

11. April. Eigene Panzer hatten in der Nacht zwei eingegrabene Kameraden überrollt. Henry und Wyatt. Beide mussten evakuiert werden. Rückten ohne Widerstand vor. Überschritten die Agger zu Fuß bis in Brusthöhe. Blieben den ganzen Tag nass. Schlugen am Abend im Wald ein Biwak auf.

 

 

 

Mar 1945 -Malcom H. Bruner 922 FA Battalion, Battery B

We relieved the 78th Division, and from their cooks, we learned how a line outfit supplemented its meager food rations. At Viede, we fired over 3000 rounds in support of the 387th Infantry’s crossing of the Sieg River, and in the shelling of SIEGBERG [sic] as part of Corps Artillery. A German “chow line” received enough rounds one evening to discourage what was left of those trying to get some food from returning.

 

Wir lösten die 78te ab, und ihre Köche, und lernten, wie magere Rationen ergänzt werden können. In Viede [Aus anderen Quellen (Capt. Ponitz) erschließt sich hier ein verhörtes oder aus einem zerschossenen Ortsschild angenommenes „VIELDE'-RGOVEN“ für „Weldergovenggü. Muschmühle bzw. Lauthausen.  D.Übers.]. feuerten wir 3000 Schuss in Unterstützung der 387ten Infanterie bei ihrem Übergang über die Sieg und beim Beschuss Siegbergs [sic] als Teil der Corps Artillerie.  Wir schossen einige Male auf eine Essensausgabe und das hielt alle davon ab, dort wieder aufzutauchen.

Diskurs: Weldergoven / Vielde und Viede

In den Unterlagen der 97ten Division sind verschiedene Bezeichnung für Weldergoven im Zusammenhang mit dem Beschuß von Allner verwendet.

Die Identität der drei Ortsbezeichnungen verrät der nachstehende Textabschnitt aus dem Interview mit Capt. Milton Ponitz. Seite 131.

The 386th Infantry on the right of the 387th Infantry was to cross on the 7th with the 387th Infantry crossing on the 8th. This would necessitate an attack: across the river by the 387th infantry to the North until it caught up with the left flank of the 386th Infantry.

The plan formulated with this in view as follows; The 1st Battalion was to make a crossing of the SIEG in the vicinity of VIELDE'-RGOVEN ('704425) and drive to The

NE, take as its initial objective the high ground at ALTEN'BODING (717438) and BODINGEN (725425), (facing N).

 

Ray Repasky aus der 922nd Artillery

Ray Repasky war auch in den Artilleriestellungen der 922ten vor Weldergoven. Er hatte die Ortsbezeichnung Weldergoven dann noch einmal zu „Viede“ verschlimmert, was ihm auch mit anderen Ortsnamen beim weiteren Vorrücken seiner Einheit gelang: Munchen (Munchenreuth bei Eger?), Bierken (Nähe Bamberg ?), Ralhaven (Ralshoven bei Jülich).

Er hat uns zwei interessante Fotos aus seiner Zeit bei Weldergoven überliefert:

Bei der Maschine handelt es sich um eine Ju87 D8. Erkennbar an der Schleifenantenne unten am Antennenmast auf der Kabine, der in Peilung zu einem Telegrafenmast aufgenommen wurde und dessen Ende daher schwer auszumachen ist. Ca. 80 dieser Erdkampfflugzeuge waren in Hangelar stationiert und flogen von dort  bis März 1945 Nachtangriffe auf Erdziele. Um nachts am dunklen Himmel nicht anhand der Auspufflammen ausgemacht werden zu können, besaß diese Version der Ju 87 sogenannte Flammenvernichter. Dabei handelt es sich um das „Ofenrohr“ an der Seite des Motors an der Front. Dem aufmerksamen Betrachter entgeht auch nicht, dass die Ju 87 „auf dem Bauch“ liegt. Das nicht einziehbare Fahrwerk konnte bei diesen späten Versionen im Notfall abgeworfen werden, da sonst wie hier bei einer Notlandung ein Überschlag unvermeidbar gewesen wäre.

Zu den Versionen der Ju 87: http://aircraftnut.blogspot.com/2014/05/back-to-ju-87-stuka-part-3-variants.html

Aus dem Luftfahrtarchiv Köln zitiert (http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/1940_start.htm):

September 1944 Die I.Nachtschlachtgruppe (NSGr.) 2 - wird mit ihren Nacht-Stukas Junkers Ju 87 D-3 und D-5 auf den Flugplätzen Köln-Ostheim, Wahn und Hangelar stationiert. Bei Beginn des Einsatzes sind ca. 80 Maschinen verfügbar. Sie fliegen von hier mit ihren schwarz bemalten, mit langen Auspuff-Flammdämpfern ausgerüsteten Maschinen im Tiefflug zu Dämmerungs- und Nachteinsätzen bis in den Raum südlich von Aachen.

Über die Verlegung der zwei Staffeln Ju 87 D5 von Bönninghardt an den Rhein berichtet auch http://www.flughafen-boenninghardt.de/nachtjagd.htm (Abruf 09.07.2018), datiert sie allerdings in den Oktober 1944.

Ein Kamerad von Ray macht ein Nickerchen in der Artilleriestellung bei Weldergoven. Die Horizontlinie beim Blick Richtung Südsüdwest ist die Fortsetzung jener, die im oberen Foto ins Bild gerückt ist.

 

 

1 Apr 1945 – Sun – History Background – The Battle of “THE RUHR POCKET”

On the north bank of the Sieg and facing the 97th was the German 3rd Paratroop Div., which later proved to be one of the toughest and most fanatical units in the entire Ruhr Pocket. In addition, German forces opposite the 97th sector consisted of the 353rd Inf. Div., 59 Inf. Div. and 7th Flak DIV.

Auf dem Nordufer der Sieg gegenüber der 97ten lag die 3. Fallschirmspringerdivision, die sich später als die härtesten und fanatischsten Gegner im Kampf um den Ruhrkessel erwiesen. Weitere Truppen im Sektor bestanden aus der 353ten und 59ten Infanteriedivision und der 7ten Flak Divsion.

 

A brisk exchange of mortar fire began as soon as the 97th went into the line along the riverfront. Initiative and skill favored the Trident. Capt. Glenn B. Peterson, Alta, la. And 2nd Lt. Jack M. Silverman, Bayonne, N. 'J., 303rd, located an enemy mortar by determining the trajectory of a dud. The two officers rushed to a nearby house when an enemy shell pierced the roof and an exterior wall before burying itself-in the floor

without exploding. By placing a long stick in the floor and pointing it along the line formed by the holes in the wall and roof, - they ascertained the azimuth and elevation of the shell.' A series of division 81s whammed back along the same route taken by the dud. The enemy mortar failed to return the fire.

 

Als die 97. Division am Ufer Stellung bezog, begann auf beiden Seiten das lebhafte Mörserfeuer. Aus dem Einschlagwinkel eines Blindgängers, der durch eine Hauswand und das Dach geflogen war, konnte die Flugbahn und so die Abschussstellung rekonstruiert werden. Dazu wurde ein langer Stock durch die Einschlaglöcher gesteckt. Die Division schoss eine Serie von Granaten auf die ermittelte mutmaßliche Stellung des feindlichen Mörsers und das Feuer wurde nicht mehr erwidert.

 

 

Die Vorgänge aus Erzählungen deutscher Zeitzeugen:

 

Andrea Korte-Böger „Bomber auf Siegburg“. In: Siegburger Blätter Nr. 5 Dezember 2004

Seit März 1945 lag zusätzlich noch kontinuierliches Artilleriefeuer der nachgerückten Front auf der Stadt. Am 9. April wurde die Sieg im Raum Siegburger Stadtbereich durch das 303. Regiment der 97. Amerikanischen Infanteriedivision überschritten. Der Sturm auf Siegburg hatte begonnen. Die Bevölkerung flüchtete sich im Hagel der Geschosse in die Splittergräben rund um den Michaelsberg, in die Keller und in die in den Michaelsberg gegrabenen, unfertigen Schutzhöhlen. Um 6 Uhr vormittags überschritten die ersten Amerikaner im Bereich des Deichhauses die Sieg, der Widerstand war schwach, trotzdem dauerte die Einnahme der Stadt einen ganzen Tag.

 

Johann Paulus, Der Eisenwalzer. Zwischen Krieg und Leben.

Angestellter der Stadt als Kassierer am Strandbad berichtet von den Zerstörungen ab 25. März 1945.

Aus dem nacherzählten Bericht einer Bekannten:

Wir wären kaum fort gewesen (Paulus und Familie sind ins Sauerland gezogen), als der Amerikaner seinen Angriff von Buisdorf aus in breiter Front über die Sieg über Wolsdorf auf die Stadt Siegburg fortsetzte. … Am 9. April um 6:00h in der Frühe überschritt das 303 Regiment der 97. Amerikanischen Infanteriedivision die Sieg und nahm Siegburg bis zum Abend ein. Bei dem Übergang über die Sieg bis ins Dorf (=Wolsdorf) wäre hier die Hölle los gewesen. Alle Menschen aus dem Dorfe mussten ohne Ausnahme die Schutzräume verlassen und auf die Strandbadwiese marschieren, was mit direkter Todesgefahr verbunden war, denn unsere Ari schoss aus allen Rohren gerade auf diese Wiese.

 

 

1 US Army

387th Inf. 97th Division

 

Die Vorgänge aus Erzählungen amerikanischer Zeitzeugen:

Im Folgenden ist aus Platzgründen nur die eigene Übersetzung ohne das Original angegeben. Das Original ist auf der Website der 97ten Division abrufbar.

 

Interview Capt Milton Ponitz und First Lieutenant Robert W. McCaffrey,

vom 19.04.1945

 

1.      Am 4. April hält die 387th Infanterie von der 7th Inf Div eine defensive Position auf dem Westufer des Rhein zwischen Dormagen und Neuss.  An diesem Tag erhält die Einheit Order, auf die Ostseite des Rhein bis in die Gegend von Siegburg vorzurücken. Dort soll sie Position auf der linken Flanke der amerikanischen Einheiten bei der Vorwärtsbewegung aus dem Brückenkopf des Übergangs bei Remagen beziehen. Um 04:08 h fährt die Einheit auf LKW los und gelangt bis nach Rott um 17:30 h. Dies ist eine Gegend für den Zusammenschluss der Kräfte und das Batallion gelangt in das Gelände nördlich von Rott.

 

2.      Das Regiment erhält die Aufgabe, die 30te Infanterie der 78th Division auf dem Südufer der Sieg zu entlasten. Den Bereich, den die 387th einnehmen soll, ist an der linken Flanke von der A3 entlang des Südufer  auf einer Länge von 9000 Meter bis einschließlich des Stadtgebiets von Hennef. Das Regiment hat die vorher hier lokalisierte 309te Infanterie um 05:05 entsetzt. Der Regimentskommandeur setzt 2 Batallione entlang der Linie ein. Das 3. links und die 1st auf der Rechten. Das 2te erhält die Aufgabe, Sicherungsstellungen hinter dem 3ten Batallion auf dem höher gelegenen Grund über der Ebene südwestlich vor Siegburg zu beziehen.

 

3.      [Nummer fehlt im engl. Original d.Übers]. Der Fluß Sieg fließt ostwestlich in den Rhein, etwas oberhalb Bonn. Das südliche Ufer mit Blick auf das nördliche bezieht das Regiment. Von Hennef nach Osten schließt am Südufer eine Ebene an, die ca. 300 – 400 m weit ist. Diese Ebene wird von einer östlich verlaufenden Straße durchzogen. Bei Blankenburg rücken die Höhen an den Flussverlauf am Südufer heran. Westlich von Hennef schließt am Südufer eine ca. 2000 m weite Ebene an.

 

4.      Auf der Nordseite des Flusses liegen die Höhen nah um Ufer bei Holberg bis Seligenthal. Dort liegen deutsche Positionen. Bewegungen auf der Ebene sind tagsüber nur eingeschränkt möglich. Nur im Schutz der Gebäude ist sicheres Fortkommen möglich. Hennef dient daher im Zentrum der Linien als Schutzraum.  Das 3te Batalion liegt zwischen der Stadtgrenze von Blankenberg und dem Gebiet von Hennef bis Weingartsgasse, Zissendorf und Stossdorf bis zur Autobahn.

 

5.      Die weite Ebene zwischen Hennef und Autobahn kann von deutschen Waffen bestrichen werden. Das ist der verletzlichste Teil der Linien. Daher gräbt sich das 2te Batallion der Reserve hier ein. Kompanie EG sollten diese Positionen verteidigen und Komp. F  wird nach Söven als Reserve verlegt. 1st und 3rd haben ihre Kommandostelle in Hennef. Der Regiments Kommandostand liegt in Rott.  Bei Dambroich wird die Cannon Company positioniert. Panzerabwehrkanonen und weitere panzerbrechende Waffen sind n der Ausstattung beider Battalione enthalten.

 

6.      Regimentskommandeur Col. William D. Long ordnet nächtliche Kontrollgänge an, um das vom Feind besetzte Nordufer zu erkunden, insbesondere Kontrollgänge entlang des Siegufers, um potentielle Übergänge auszumachen.  Aufzuklären sind die Flusstiefe, die Strömungsgeschwindigkeit, die Beschaffenheit bzw. Begehbarkeit der Ufer und die Wege, die vom Nordufer weiterführen.

 

7.      Am 6.April erhält das Regiment den Befehl zum Übergang über die Sieg am 8. April. Nach der Sicherung des Vorstoßes enthält die Order auch Befehle zur Vorrücken nach Nord Westen. So soll dadurch die Zusammenkunft mit der 9 und 1 US Army in Paderborn erfolgen, um das „Ruhr Pocket“ zu schließen. Der gemeinsame Plan war es, den Rhein als Scharnier zu nutzen, um das Zentrum und die linke Seite so einzuschwingen, dass die „Tür“ entlang der Ruhr geschlossen wurde.

 

8.      Die 386th Infanterie zur Rechten der 387th soll die Sieg schon am 7.April überschreiten, während die 387th am 8. folgen soll. Dies bedeutet, dass die 387th nach Norden soweit vorstoßen muss, bis sie die linke Flanke der 386th eingeholt hat.  Danach wird sie ihre Stoßrichtung nach Nordwesten richten.

 

 

9.      Das 1. Batallion wird auf der Höhe von Veldergoven die Sieg überschreiten und sollte als erstes die Höhe von Altenbödingen und Bödingen nehmen. Nach Einnahme und Sicherstellung des Übergangs soll nach N und O vorgerückt werden, um die Reihen mit der 386th zu schließen.

 

10.   Die 3 und 2 Batt Kompanien sollen in ihren Stellungen verbleiben und die über die Autobahn anrückenden Panzerkolonnen (13th Armored Division?) sichern, während die Reserve Kompanie F aus Söven in die Stellungen der 1. Batallione vorgehen sollen. Am 9. April werden dann die 1 und 2 Batallione die Sieg überqueren und ihre rechte Seite nach Norden und Nordwesten vorstoßen.

 

11.   Mehreren Artillerieeinheiten werden ihre Aufgaben und zu unterstützenden Einheiten und deren Bewegungen bekannt gemacht.                                                                                                                                 

 

12.   Eine schwerbewaffnete Kompanie des 3rd Batallion soll das Übersetzen der 1. Batt bei Hennef so unterstützen, dass sie Schloss Allner unter Beschuss nimmt. Die H Kompanie sollte bei Weldergoven verbleiben, wenn sich der Rest des Battallion über die Sieg bewegt.

 

13.   Die Sieg ist östlich von Hennef ca. 15 Meter breit und hat eine Tiefe zwischen 1,20 bis 2 Meter. Durch Regenfälle ist die Strömung sehr stark und die Fließgeschwindigkeit hoch. Eine Furt zum Übergang kann nicht ausgemacht werden. Als Übergangspunkt ist die Nordschleife der Sieg bei Weldergoven festgelegt worden. Vor den Häusern dieser Siedlung erstreckt sich eine freie Ebene, die von den umliegenden Höhen aus beherrscht wird. Die Ebene wird im Osten von Lauthausen begrenzt. Der lang gestreckte Höhenzug schließt sich zwischen Allner und Lauthausen in Form einer Spornlage [westlich zum Bröltal d.Übers]. Die Brücke bei Allner ist gesprengt. Auch eine Brücke über einen Nebenfluss (Bach ?) 200 m östlich Allner [das ist die Weldergovener Brücke. d.Übers] ist gesprengt.

 

14.   Der Übergang bei Weldergoven ist so geplant, dass er teilweise mit Booten und teilweise zu Fuß durchgeführt wird. Aufgrund der Verhältnisse und mangels einer Furt wird der Plan revidiert und der Übergang für beide Einheiten sollte mit Booten bewerkstelligt werden. Kompanie C stellte das Material für den Übergang bereit.

 

 

Aus der Geschichte der 303rd: Capt. Glenn B. Peterson Lt. Jack M. Silverman, Bayonne, N.J., 303rd

Sie bestimmen aus dem Einschlagwinkel eines Blindgängers die Position eines Mörsers, der dann durch konzentriertes gelenktes Feuer ausgeschaltet wurde. (siehe oben)

 

15.   Um 08.13 am 8. April beginnt die Artillerie für ca. eine Stunde an auf die gegenüberliegenden Stellungen zu feuern. Um 14:00 h beginnt 1st Battallion mit dem Übersetzen. An zwei Stellen setzten Kompanie A und B über.  Kompanie C folgt je zur Hälfte an der einen und der anderen Übergangsstelle. Sogleich nach dem ersten Angriff schlägt schweres feindliches Mörserfeuer im Landungsbereich ein. Von dem Schloss Allner aus kommt MG Feuer. Von amerikanischer Seite wird das Schloss  mit Artillerie und MGs unter Feuer genommen. Obwohl das Schloss schweren Schaden nimmt, hält das feindliche MG Feuer an. Auch aus der nördlich gelegenen Höhe aus kommt MG Feuer. Der amerikanische Angriff wird erfolgreich im Laufschritt über die Wiesen bis auf die Höhe vorgetragen. Dies gibt dem Angreifer einen Abschnitt nördlich des Flusses, so dass nunmehr eine Ponton Fähre zum Übersetzen von Fahrzeugen eingesetzt werden kann. Zwei Jeeps mit Kabeltrommeln fahren auf der Straße auf Minen (siehe Bericht von Frank Zaluwski). Um 16:25 h hat die 1st Batt gesicherte Stellungen auf den Höhen bezogen. Um 17:50 greifen  Komp A und B an. Mit der 286th wird an der rechten Flanke erfolgreich Kontakt aufgenommen. Die Kommunikation über Funk gestaltet sich problematisch, da die beiden Jeeps mit dem Kommunikationsmaterial ausgefallen sind. Die Regimentskommandantur ist aus diesem Grund erst am nächsten Morgen über die Lage unterrichtet.

 

16.   In der Nacht vom 8. Auf den 9. April baut die Pioniereinheit östlich der Pontonfähre eine Fußbrücke bei Allner über die Sieg. Um 09:05 h setzte das 2. Batt ohne Probleme über. Trotz Artillerie und Mörser Feuer gelingt der Übergang. Um 09:06 setzen die restlichen Verbände wie geplant über und die Reihen des 387th sind mit allen drei Batallionen damit geschlossen und mit denen des 386th verbunden.

 

17.   Die drei Battalione gehen nach Nordwesten vor. Das 2teh Batt sieht sich dabei immer noch heftiger Gegenwehr aus dem Schloss Allner ausgesetzt. Anti Tank und schwere Waffen nehmen das Gebäude unter Feuer [andere Quelle (siehe oben 922te ) spricht von bis zu 3000 Granaten] und Kompanie G kann bald darauf den Abschnitt als geklärt melden. Der Anstieg hinter dem Schloss ist sehr steil und hier werden die heftigsten Kämpfe ausgetragen. Nachdem nun die umliegenden Höhen alle genommen sind, kann erst danach eine Brücke für schweres Gerät und Panzer bei Allner gebaut und benutzt werden.

 

18.   Es folgt der Befehl, auf den Höhen nördlich von Siegburg weiter vorzurücken. 1st Batt  macht gute Fortschritte, Kompanie G hatte jedoch wieder schwere Kämpfe zwischen Allner und Seligenthal. Kompanie H hatte den Übergang gesichert, verspätete sich aber bei dem Zusammenschluss mit den anderen Truppenteilen. Kompanie L des 3 Batt bleibt zur Absicherung auf der Südseite der Sieg.

 

19.   Zu diesem Zeitpunkt begibt sich der Regimentskommandeur nach Happerschoss (orig Text : Hopperschoss). Zu diesem Zeitpunkt liegen die 23 Batallione nebeneinander. Der Vormarsch ist so schnell ausgeführt wie es der Transport der schweren Waffen zu Fuß ermöglicht. Bei Dunkelheit ist die Straße Siegburg-Schreck erreicht und die Spitze der Einheiten zeigt auf das Stadtgebiet von Siegburg.

 

20.   Am Morgen rückt das 2nd  3rd Batallion gegen Siegburg entlang der Straße nach Schreck vor, ohne auf Widerstand zu stoßen. Beide schwenken dann nach rechts und kommen bei der Autobahnquerung in Höhe der Aulgasse in Siegburg an.  Hier nimmt der Regimentskommandeur mit der 303rd Kontakt auf, die bereits in Siegburg ist. (The order was given April 9. Div(ision) Artillery again laid down a heavy concentration of fire and, at 1800 hours, 303rd infantrymen struck across the river. The crossing was made against medium resistance but the clearing of Siegburg, directly in the 303rd's route of advance).

 

21.   Pioniere bauen eine Verkehrsbrücke nahe wieder Allner auf und sie wird für leichte Motorfahrzeuge gegen 22:00 h am 9.April freigegeben und am 10. April um 10:00 für mittelschwere Panzer gegen 22:00 h am 10.April. Das 13 Armored Div geht entlang der Autobahn vor, am Abend hatte die 3rd Batt Halberg und Lohmar erreicht, die 1nd nimmt Breidt ein und die 2nd geht bei Kaldauen als Reserve in Stellung.

 

In der weiteren Folge wird das Vorgehen nach Norden bis zur Wupper am 17. April in dem Dokument beschrieben.

Frank Zalusky von der 387. Battalion erzählt.

Von seinem Einsatz bei der Flussüberquerung bei Allner erzählt der amerikanische Soldat Frank Zalusky, der in einer Kommunikationseinheit für die Verlegung von Telefondrähten auf dem freien Feld zuständig ist.

 

„Ich lag am Flussufer und mit einer Gruppe GIs feuerten wir über den Fluss auf das schlossähnliche Gebäude [Schloss Allner d. Übers.]. Die Pioniere bereiteten mein Boot vor, das meinen Jeep transportieren sollte. Das Gegenfeuer hörte auf und ich fuhr meinen Jeep auf das Sturmboot. So blieb ich während der Fahrt drin sitzen. In der Flussmitte begann das MG aus dem Schloss wieder zu schießen. Ich sah die Leuchtspuren näher kommen, sprang aus dem Jeep und suchte Deckung auf dem Bootsboden. Der MG Schütze dort oben machte aus meinem Kühler ein Sieb. Auf der anderen Seite angekommen luden wir ihn aus und ich schaute mir das Schlamassel an. Da er nicht mehr zu gebrauchen war, entfernte ich den Verteilerfinger.

 

Ich wollte nun zurück an das andere Ufer, aber das Boot war schon wieder unterwegs. Ich wartete in Deckung auf seine Rückkehr. In der Zwischenzeit gesellten sich drei deutsche Überläufer zu mir, die dann später nachts mit mir als Gefangene von dem Boot abgeholt wurden.“

 

Die deutschen Überläufer gehörten wohl der 353ten an, die als sogenannte Volksdivision auch aus älteren Männern gebildet war. Dieser Truppenteil war für die Verteidigungslinie der östlichen Hälfte Siegburgs zugeteilt, während die Seite siegabwärts von der 3ten Fallschirmjägerdivision übernommen war. Um den Leser einen Eindruck davon zu vermitteln, wie schwach die Linien wirklich waren und wie aussichtslos, sinnlos und verantwortungslos eine Verteidigung gegen den übermächtigen Gegner gewesen ist, einige Zahlen aus Mues, Der Große Kessel p.14: „je Kilometer 80 Mann, 2 Rohre Artillerie, 0,5 Rohre Panzerabwehrkanonen, 1 Panzer auf 2,5 km“. Die drei Überläufer haben daraus ihre eigenen Konsequenzen gezogen.

 

Von „älteren“ Männern mit Maschinenpistolen spricht Frank Zalusky bei der Schilderung im Rahmen seiner Kabelarbeiten in diesen Tagen,:

 

„One night while out laying wire, two men in front carrying the wire and I was approximately ten yards behind staking, I noticed the men in front disappear down to the ground. So I did likewise and shortly what looked like six old men in long coats hunched over crossed between us. Each carried a burp gun. We let them go about their business as my M-1 was on my back tangled in the webbing of the gear I had on. Besides it's no match for the guns they were toting.

Eines Nachts beim Kabelverlegen: Zwei Mann trugen die Rolle und ich war ca. 10 m dahinter. Dann sah ich, wie die beiden plötzlich verschwanden – wie vom Bode verschluckt. Also tat ich gleich und sah kurz darauf etwas, was wie sechs alte Männer in langen Mänteln aussah, die zwischen meinen Kameraden und mir unseren Weg uns gekreuzt hatten. Jeder von ihnen trug eine MP. Wir ließen sie ihren Geschäften nachgehen, da mein M-1 auf meinem Rücken mit der restlichen Ausrüstung ziemlich verstrickt war und es außerdem unklug gewesen wäre, sich damit gegen die MPs zu messen.

 

„Am nächsten Morgen gingen Leutnant Kegley und ich wieder auf die andere (Fluss-)Seite, um den Jeep zu reparieren und dann Fernmeldeleitungen bis zur Autobahn, ca. 800 m, zu legen. Wir folgten dabei einer Markierung unserer Minenräumer. Den Draht abrollend fuhren wir über das offene Gelände und ab dann weiß ich nicht mehr. Kegley erzählte mir später: Er war ausgestiegen, um einen Knoten im Kabel aufzudröseln. Dann hörte er eine Explosion und der Jeep flog durch die Luft und landete auf mir. Neun Tage verbrachte ich im Lazarett, bis ich nach England verlegt wurde.“

 

Aus dem Bericht von Frank Camm 78th Division

 

The 97th was ordered to move south along the west bank of the Rhine, crossing over it near Bonn on 3 April and taking up a position on the southern bank of the Sieg River at Hennef.

Die 97te Division wurde angewiesen, den Rhein bei Bonn zu queren und am Südufer der Sieg bei Hennef Stellung zu beziehen.


The division then entered the battle of the
Ruhr pocket, crossing the Sieg river on 7 April, battling German Wehrmacht troops defending Schloss Allner. According to the after action report:

Die Division nahm am Kampf um die Ruhr Pocket teil und querte die Sieg am 7.April gegen den Widerstand von Wehrmacht Truppen in Schloss Allner. Hier beginnt der Report:

 

In two days the 922nd Field Artillery Batallion fired over three thousand 105mm rounds at the area around the castle. Pfc John Hedrick seized an abandoned assault boat while under heavy enemy fire and used the craft to help ferry troops across the river. He was awarded the Silver Star. After crossing the river, elements of the 387th Infantry Regiment assaulted the castle:
"The 2d Batallion hit very stiff resistance at the ALLNER Castle and on the ridge in the loop of the river.
Anti-tank company and the TD's blasted the castle from the S bank of the SIEG River and G Company was able to clear it out."
"Machine-gun fire was
strafing the crossing area from castle near ALLNER where it had a clear field of fire and from a wooded spur at a bend in the river W of the crossing, firing upriver toward the boats. Artillery fire, TD's, heavy MG fire and mortars were all brought to bear on this castle but although it crumbled, the MG fire continued. Fire was also coming from the high ground N of the river."

Nach zwei Tagen hatte die 922 Artillerie rund 1000 105 mm Granaten auf das Schloss Allner abgefeuert. John Hendrick nahm ein verlassenes Boot und brachte damit unter schwerem gegnerischen Feuer unsere Leute über den Fluss. Dafür wurde ihm der Silver Star verliehen. Nach dem Übergang griff das 387 das Schloss an und nahm es nach schwerem Widerstand.

MG Feuer aus dem Schloss Allner bestrich den Bereich des Flussübergangs. Von dort hatten sie  ein freies Schussfeld , aber auch von einem bewaldeten Sporn an einer Flussbiegung im Westen unseres stromaufwärts bis zu den Booten am Übergang. Mit geballter Feuerkraft wurde das Schloss stark beschädigt, aber das Feuer hielt an. Auch von den Höhen im Norden wurde das (feindliche) Feuer fortgesetzt.

 

 

97th Diverse Berichte:

 

10 Apr 1945 – Tues - Submitted by Tom Morgan 386th Infantry Regiment, Company I

Arose early, moved out thru woods, and approached Siegburg which was taken by the 303 Infantry. Eventually hit the road into Stallberg, leaving outpost, with attached machine gun, on a road fork outside Stallberg. Entered the town, billeted and setup weapons in defense.

 

Früh aufgestanden und durch den Wald marschiert. Nähern uns Siegburg, das die 303te genommen hat. Kommen hinaus nach Stallberg und lassen an einer Strassengabelung außerhalb Stallberg eine MG Stellung aufbauen (heute Zeithstrasse an B56 d. Übers.). In der Stadt werden unsere Stellungen ausgebaut.

 

11 April 1945 – WedWritten by JOHN F. deV. PATRICK LT. Col 820TH TANK DESTROYER BATALLION

C.P. moved to Seligenthal, Germany. 1st and 3rd platoons crossed Sieg river and arrived at Seligenthal at 0900. 1st platoon attached to 2nd Batallion, 387th Infantry; 3rd platoon attached to 3rd Batallion, 387th Infantry; 1st platoon moved to Kaldauen, Germany at 2300.

 

1st und 3rd platoon queren die Sieg und sind um 9:00h in Seligenthal. Vereinigung mit dem anderen Einheiten der 378ten. Um 23:00h Verlegung nach Kaldauen.

 

1st platoon attached 303rd Infantry regiment at 0015. arrived in Siegburg at 0630 where 100 rounds of 76MM was fired into a factory which was enemy strong point.

2nd and 3rd platoons returned to company control and moved to Braschob, Germany.  Left Braschob for Halberg, Germany, at 1830 hours to remain in regimental reserve.

 

1st platoon trifft auf 303rd infantry um 00:15 h. Um 6:30h in Siegburg. 100 Schuss 67mm waren in eine stark besetzte (wohl Glöckner Werke Troisdorf) Fabrik abgefeuert.

2´nd und 3rd platoon gehen hinauf nach Braschoß und um 18:30 weiter und dann weiter nach NW nach Halberg in eine Stellung als Reserve.

 

1945 – Nathan Galloway 386th Infantry Regiment, Company M

Crossing the Sieg – I was delegated to take all Battalion Transportation across the river and rejoin the troops. The engineer’s to have the crossing ready by 8 PM. General Patridge was at the crossing site – I was about 500 yards back with about 40 vehicles lined up. The general kept in touch with me – we were to cross first as we had the longest distance to go to where the men crossed. 8 o’clock beame 9 – 9 became 10, 10 became 11, 11 became 12 – some time after 12 the general gave the word to start. As it was so late and we were going into one of those Black Forests, the general told me to go in far enough to clear the column and wait till the crack of dawn to proceed – I had already made that decision but it was comforting to have him confirm it. At dawn I went forward until I located a space adequate for a turn around. I didn’t want to get ambushed. Upon returning to signal the vehicles forward I remember observing Pfc Danek, as tall stole young man who never exhibited much enthusiasm for the military – he was squatting, carbine loaded and pointed – his head turning like an owl – observing all directions. As a Commander it gives one a warm feeling that perhaps some were listening to those dry lectures.

 

Wir querten die Sieg [bei Weldergoven östlich Allner. D. Übers.]. Mir oblag die Aufgabe, alle Ausrüstung der 386ten über den Fluss zu bringen und uns mit der kämpfenden Truppe zu vereinigen. Die Pioniere hatten den Übergang technisch um 20:00h als fertiggestellt gemeldet. Ge. Patridge war zur Stelle  und ich lag mit 40 Fahrzeugen ca. 500 m vom Übergang entfernt. Ich blieb mit ihm (über Funk) in Kontakt. Wir lagen am weitesten vom Übergang entfernt so verging Stunde um Stunde. Nach 24:00h gab uns der General das Signal zum Aufbruch. Da es so spät war und wir in einen dieser „Schwarzwalde“ reingehen mussten, sagte mir der General, dass wir uns so weit hinein bewegen sollten, dass sich die Fahrzeugschlange nicht selbst blockierte. Dort sollten wir auf die Morgendämmerung warten, um weiter zu fahren. Ich hatte das auch schon so überlegt, aber es tat gut, dass er dieselbe Sichtweise hatte. Als die Dämmerung kam, erkundete ich einen freien Platz, der eine eventuell notwendige Umkehr hätte möglich machen können. Denn ich wollte vermeiden, in einen Hinterhalt zu geraten. Als ich zu den Fahrzeugen zurückkehrte nahm ich den großgewachsenen Private Danek wahr, der mit geladenem Karabiner am Boden hockte und seinen Kopf wie eine Eule nach allen Richtungen drehte. Als Kommandant gab es mir ein gutes Gefühl, dass zumindest einige das gelernte aus den Wochen der Ausbildung verinnerlicht hatten.

 

 

Die Vorgänge aus Erzählungen deutscher Zeitzeugen:

 

Werner Gerhardus, Das Dorf Happerschoß. Ende des Zweiten Weltkriegs und 2012.

In:Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef. Folge 7. P.195ff

In Happerschoss (79 Häuser 1945) lag eine deutsche Artillerieeinheit, die den Siegübergang im Visier hatte.

Durch das beherzte Vorgehen seitens Else Kolf durch Hissen einer weißen Flagge in einem hohen Birnbaum, wurde der amerikanische Beschuss eingestellt

 

Bid des zerstörten Schloss Allner in der Dokumentation des Herrn Max Bergmann, Hennef-Geistingen.

Online: http://hennef-lauthausen.de/index.php/dorfgemeinschaft/dorpfvezaell-2-1990-91/artikel-9-erinnerungen-an-den-krieg-an-der-sieg

(Abruf 09.06.208)

Aus dem dort nachgezeichneten Aufmarschplan der Amerikaner geht hervor, welche Stoßrichtung die Einheit am 08.04. hatte: Über Allner zielte sie in Richtung Happerschoß-Heisterschoß, um dann teilweise ins Bröltal abzuschwenken, wo sich diese Truppe mit jener Einheit wieder vereinigte, die über Bödingen vorgestoßen war.

 

Hinter Bröl und Heisterschoß war das Tagesziel vom Befehl 08.04.1945 erreicht. Am 09.04. hat diese amerikanische Einheit den südlichen Teil der Gemeinde Neunkirchen durchkämmt. (Siehe persönlichen Bericht Bericht des Zeitzeugen oben).

Im Allner Schloss haben zwei Offiziere mit einer kleinen Soldatengruppe die Helden gespielt und etliche Stunden Widerstand geleistet, den die Angreifer mit der Zerstörung des Schlosses beendet haben (M.B.).…Jene amerikanische Division, die in der Zeit vom 07. bis 09.04.1945 über die Sieg ins Bergische Land verstieß, verlor bis zur Beendigung dieser militärischen Operation 10 Soldaten (M.B.). Die Brücke in Weldergoven wurde wenige Tage später abgebrochen. Dafür erstellten die Besatzungstruppen in Höhe der Ortschaft Allner eine neue große Pontonbrücke, die schwerstes Kriegsgerät zu tragen vermochte.

 

Hinweis: Noch im Herbst 1944 diente Schloss Allner als Offiziersunterkunft für das in Hangelar stationierte Jagdgeschwader 27

Quelle: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Jagdgeschwader/JG27-R.htm

„Am 17. August musste der Stab schließlich nach Couvron südöstlich von Saint-Quentin ausweichen, bis er am 2. September 1944 nach Bonn-Hangelar verlegte, do die Reste des Jagdgeschwaders 27 gesammelt und anschließend aufgefrischt wurden. Am 4. September verlegte der Stab dann nach Siegburg, wo er im Rahmen der Reichsluftverteidigung eingesetzt wurde. Am 16. Oktober verlegte er dann nach Strehla und im November nach Rheine. Von Rheine aus unterstützte der Stab die Ardennen-Offensive.“

 

Aus dem Forum „Geschichtsspuren“ im Thread https://www.geschichtsspuren.de/forum/viewtopic.php?t=9905&highlight=siegburgallner

Keine Angabe der Primärquellen. Abgerufen 10.06.2018

„Es war nicht das gesamte Jagdgeschwader 27, von dem hier die Rede sein muss, es war der Stab/Jagdgeschwader 27, der nach dem Einsatz gegen die Invasion am 2. September 1944 in Bonn-Hangelar eintraf. Nach wenigen Tagen verlegte er dann ins Schloss Allner bei Hennef/Sieg. Seit den Tagen des "Geschwader Herrmann" war auf den Uferwiesen der Sieg nordostwärts der heutigen Kläranlage ein kleiner Feldflugplatz angelegt worden. Im September 1944 war übrigens großes "Stabstreffen" in Schloss Allner: Neben dem Stab/JG 27 lagen auch der Stab/JG 6, der Stab/KG 6 und ab 20.09. auch noch der Stab/KG 2 dort.“

 

Tatsächlich war dort schon vorher ein Flugplatz:

Information abgerufen 10.06.2018 von www.andreaszapf.de/blog-fdl-media/Leseprobe-Lexikon-der-Flugplaetze.pdf Seite 22

Allner bei Hennef - Nordrhein-Westfalen - D

Lage: 50°46'42"N 07°18'09"E

Klassifizierung: Feldflugplatz

Örtliche Lage: Am Südufer der Sieg gegenüber von Schloss Allner.

Schloss Allner war ab 1943 Sitz verschiedener Geschwaderstäbe, die das Wiesengelände an der Sieg für Flugbetrieb mit Verbindungsflugzeugen, hauptsächlich Fieseler Fi 156 „Storch" nutzten.“

 

Heinrich Böll in Oberauel und zu Besuch in Kaldauen

Online auf Zeit.de (Abruf 09.06.2017) https://www.zeit.de/1985/12/brief-an-meine-soehne/seite-7

„Ich traf in Kaldauen den Unteroffizier Schmitz, den sie später als Deserteur ein paar hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt erschossen. Wurde weiterverlegt nach Niederauel, der Stadt Blankenberg gegenüber. Dort lagen wir, nur durch die Sieg getrennt, den Amerikanern gegenüber, konnten es mit eigenen Augen sehen: das weiße, weiße Brot – es leuchtete wie der Mond.“

„Geschossen wurde nicht, schießen war sozusagen verboten, weil, wenn auch nur ein deutscher Schuss fiel, ganze Ladungen amerikanischer Artillerie retourkutschiert wurden. Einen Deserteur, der erschossen wurde, habe ich gekannt. In einem kleinen Ort bei Siegburg, der Kaldauen heißt, sprach er mich, als ich in die Deutsche Wehrmacht zurückgegangen war, flüchtig an; ein Unteroffizier mit dem wunderbaren Namen Schmitz, ein leiser Mensch, sprach mich an, weil er meinen Namen durch Maria und Alois kannte. Nach dem Krieg erfuhr ich, dass er wegen Fahnenflucht erschossen wurde. Er war von der Front – Kaldauen liegt vom Stadtrand Siegburg 3-4 Kilometer entfernt – zu einem Besuch zu seinen Eltern gegangen, wahrscheinlich zum Kaffeetrinken; irgendein legaler deutscher Mörder hat ihn wohl erwischt, vom „Gefechtslärm“ entfernt. Es ging damals rasch, und kein Hahn hat je danach gekräht. Anfang der 50er Jahre haben dann die deutschen Frauen auch widerstandslos die Wiederbewaffnung bejaht. Ich habe das nie gefasst, vielleicht versucht Ihr, es zu fassen.“

 

Weitere Berichte

Ein 17 jähriger Soldat erzählt (KSTA 8./9. Januar 2005 p.37) wie er aus seiner Stellung in Kloster Merten flieht und nachts nach Hause in Weingartsgasse läuft. Dort versteckt er sich im Keller der Großmutter und bei Nachbarn. Er erzählt auch, wie Zivilisten vereinzelt durch die Siegfurten an das befreite Ufer flohen und dabei von eigenen Truppen beschossen wurden (die allerdings absichtlich danebenzielten).

 

Die Brücken über die Sieg waren wie jene bei Buisdorf von den Deutschen gesprengt worden (Siegburger 65er Nachrichten Frühj. 2004 p.51). Nach dem Fall der Verteidigungslinien wurden später selbst kleine Brücken wie jene im Wahnbachtal bei Seligenthal gesprengt, obwohl dies militärisch sinnlos war.

 

Die Stadt Siegburg und die anderen Ufergemeinden werden täglich unter Artilleriebeschuss genommen. Die Einwohner suchen Schutz in den Kellerräumen ihrer Häuser. Ein Siegburger erzählt, wie der landwirtschaftliche Hof in Zange seiner Eltern unter diesen Beschuss sowie durch Fliegerangriffe mit Bomben und Bordwaffen teilweise zerstört wurde und das Vieh verendete (65er Nachrichten Frühj. 2002 p.46). Vom Siegburger Ufer aus sah man, wie die Buisdorfer ihre Gärten in den ersten Frühlingssonnenstrahlen bestellten. Das Arbeiten in den eigenen Gärten und Feldern war wegen des Artilleriebeschuss und der Tieffliegerangriffe sehr gefährlich.

 

Auf den Terrassen des Hotels Siegblick waren Flakgeschütze aufgebaut. Von Hennef aus lag der Siegblick fünf Wochen lang unter Beschuss und wurde stark zerstört (WebSite des „Siegblick“ s.u.).

 

Eine junge Kaldauerin erzählt  von den Vorgängen im Heimatort in den 65er Nachrichten Frühj. 2001 p.42f): „Gegen Mittag näherten sich dann die amerikanischen Soldaten aus dem Wald zwischen Wolsdorf und Stallberg unserem Ort. Ein Kaldauer, Heinrich Walterscheid sen., hatte sie mit einer weißen Fahne abgeholt.“ ...“Eine Stunde später kamen ein paar amerikanische Soldaten und trieben 10-15 deutsche Soldaten als Gefangene vor sich her, manche trugen einen Verband. Am nächsten Tag erhielten die Bewohner Kaldauens eine Stunde Ausgang von der amerikanischen Besatzung.“

 

Verwendete Quellen und Zitate, wenn nicht im Text erwähnt:

Mues 1984: Willi Mues, Der große Kessel. Erwette/Lippstadt 1984

65er Nachrichten: Vierteljahresschrift der Stadt Siegburg für die Senioren der Stadt

KSTA Kölner Stadtanzeiger. Rhein Sieg Ausgabe.

http://www.voy.com/140551/27.html

http://www.97thdivision.com/historyp1.html

http://www.genealogycenter.info/military/wwii/search_97infantry.php

Memoirs of WWII –97th Infantry Division

REFLECTIONS ON THE 97TH INFANTRY DIVISION

On his 90th Birthday Brigadier General Sherman V Hasbrouck As Told to J.W. Redding 18th June 1988

PDF Dokument abrufbar auf

http://www.6thcorpscombatengineers.com/docs/97th%20Inf%20Div/Memoirs%20of%20WWII%20%E2%80%93%2097th%20Division.pdf

Die bewegte Geschichte des Hotel Siegblick: http://www.siegblick.de/daten/Siegblick-Chronik.pdf

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/artikel.php?id=88024  (Seite wurde mittlerweile entfernt)

William Bahlke. Seite mit einem Foto der zerstörten Mülldorfer Brücke.

https://www2.needham.k12.ma.us/nhs/cur/wwII/WWII-p3-04/brooke-cem-4-15-04/christineswebsite.html